Achtet nicht auf den Hund

(Farbe, 8 mm, 5 min., 1999)

Ein junger Mann macht sich auf den Weg, um seine Freundin vom Bahnhof abzuholen. Als er an einer Straßenbahnhaltestelle an seinem Schuh nestelt, um einer hübschen Frau unter den Rock zu glotzen, verwandelt sich diese in einen Mann. Vor lauter Schreck reißt dem jungen Mann der Schnürsenkel. Er weiß sich aber zu helfen: er nimmt einen Stein vom Boden und erschlägt damit den wartenden Fahrgast. Dann schleift er den Toten in ein nahes Waldstück, reißt ihm den Schuh von den Füßen und fädelt dessen Schnürsenkel in seinen Schuh. Mit tadellos Äußeren kann er seine Freundin am Bahnsteig in die Arme schließen.

1999 in Bochum gedreht, ist Achtet nicht auf den Hund! der erste Film der Gruppe Slatan Dudow, zugleich der einzige, der nicht auf Mini-DV, sondern auf Super-8 gedreht wurde, was ihm einen gewissen körnigen, filmischen Look verleiht.

Nur auf dem ersten Blick scheint der Film mit der kapitalistischen Gegenwart nichts zu tun zu haben. Denn obwohl der Raub das genaue Gegenteil des Tauschs ist, handelt es sich bei der Aneignung des fremden Arbeitsprodukts ohne eigene Gegenleistung um den Wunschtraum eines jeden Warenbesitzers (und Nichtbesitzers natürlich). Die immanente Gewalt der bürgerlichen Gesellschaft, die sonst von den Fetischformen (Waren-, Geld-, Lohn-, Kapital-, Rechts-, Staats-) des Kapitals verdeckt wird, wird in Achtet nicht auf den Hund! – surrealistisch verfremdet - sichtbar gemacht. Daß dies nicht ganz ohne blasphemischen Seitenhieb abgeht, versteht sich.