Faux Frais

(Farbe, DV, 15 min., 2003)

Ein junges Paar verläßt eine Party. Um ihr zu imponieren, lädt der Mann die Frau ein, sie mit seinem Auto nach Hause zu fahren. Da er in Wirklichkeit gar keines besitzt, erklärt er einfach einen am Straßenrand parkenden Jaguar zu seinem Eigentum. Als er sich an dem Auto zu schaffen macht, eilt der eigentliche Besitzer hinzu und droht mit der Polizei. Nach kurzem Wortgefecht gibt der Mann seinen ‚Irrtum‘ zu. Triumphierend öffnet der Autobesitzer das Handschuhfach ‚seines‘ Wagen, um mit Hilfe der Fahrzeugpapiere alle Zweifel auszuräumen. Heraus fällt eine Frauenhand. Nun ist es an dem Autobesitzer, sich für seinen Fehler zu entschuldigen: es ist gar nicht sein Wagen. Daraufhin wird er ohne viel Federlesens von dem Mann erschossen. Nach einigen mißglückten Versuchen, die Leiche an Ort und Stelle zu verbrennen oder im Kofferraum des Autos verschwinden zu lassen, entscheidet sich das Paar dafür, nun doch ein Taxi zu nehmen.

Voll überraschender Wendungen und surrealistischer Gags, brüskiert Faux frais sowohl auf der inhaltlichen wie der formalen Ebene die Konventionen vermeintlich realistischen Erzählens. Obwohl ein narrativer Faden durchaus auszumachen ist, klaffen Bild- und Tonebene zuweilen kraß auseinander. In den Anfangsszenen etwa (ohne ersichtlichen Grund beginnt der Film gleich zweimal!) verläßt das Paar auf der Bildebene eine Kirche, während aus dem Dialog hervorgeht, daß die beiden von einer langweiligen Party flüchten. Das gestische und mitunter betont übertriebene Spiel der Schauspieler verhindert jegliche bloß einfühlende Identifikation. Auch sonst werden die üblichen erzähltechnischen Klischees (unsichtbarer Schnitt, Schuß/Gegenschuß) entweder ganz vermieden oder durch bewußte Regelmißachtung konterkariert. Durch Bildtitel und Stimmen aus dem Nirgendwo, die zu den Zuschauern oder den Akteuren sprechen, wird die Handlung unterbrochen und kommentiert. Alles ist darauf angelegt, die Konstruktion des Films offenzulegen – er ist genauso von Menschenhand „gemacht“ wie die scheinbar natürlichen sozialen Verhältnisse, die er kritisiert. Ungeachtet der durchaus vorhandenen handwerklichen Mängel, die nur zum Teil dem geringen Produktionsbudget geschuldet sein dürften, ist Faux frais ein gleichermaßen aggressiver wie vergnüglicher Film, der sich unmißverständlich an Vorbildern wie Jean-Luc Godard oder Luis Buñuel orientiert.