Lemmy Caution

Ermittlungen gegen die Wirklichkeit

Pressespiegel

Mit Alphaville verhalf Jean-Luc Godard vor 40 Jahren dem trivialen Krimihelden Lemmy Caution zu Filmkunstehren. Daran anknüpfen möchte nun die Berliner „Gruppe Slatan Dudow – Filme gegen Deutschland“ mit ihrer ersten abendfüllenden Produktion. Ganz im Sinne Godards verstrickt Gruppengründer Bernd Reinink (Regie und Buch) den Geheimagenten in eine gewaltgeladene, surreale und kapitalismuskritische Kriminalhandlung. Mit wenig Geld und manch „Brechtschem“ Gestus entstand ein in vielerlei Hinsicht ambitioniertes Schwarzweißwerk.
(Zitty)

Im Tagesspiegel fast identischer Wortlaut, lediglich mit der Ergänzung „gewaltgeladene, surreale und kapitalismuskritische Kriminalhandlung im vom Elend und Faschismus gebeutelten Berlin der Jahre 1940 bis 2005“.

Lemmy schnüffelt wieder. Vor 40 Jahren dekonstruierte Jean-Luc Godard mit „Alphaville“ das klassische B-Movie mit den Mitteln der Nouvelle Vague. Jetzt ist sein Lemmy Caution wieder dabei, die Welt zu retten. Nicht mehr mit dem zerknitterten Gesicht von Eddie Constantin (sic!), und auch nicht unter Godards Regie: Diesmal ist es Bernd Reinink, der den berühmtesten Trenchcoat-Träger nach Columbo mit neuem Auftrag nach Berlin schickt: für „Ermittlungen gegen die Wirklichkeit“. „Lemmy Caution“ läuft im Lichtblick-Kino.
(Berliner Morgenpost)

Lost in den Verhältnissen. Es gibt kein wahres Leben im Falschen – zu der Erkenntnis gelangt Lemmy Caution kurz bevor er nach vielen Attacken und überstandenen Gefahren doch noch sein Leben verliert: hingestreckt durch die Doppelagentin Ljubova... In dem Spielfilm „Lemmy Caution – Ermittlungen gegen die Wirklichkeit“ ermittelt ein Agent in Berlin im Auftrag einer ominösen antifaschistischen Vereinigung. Er soll herausfinden, weshalb die Menschen sich mit Verhältnissen arrangieren, die ihnen alles andere als gut tun, und warum sie sich dem kapitalistischen System so bedingungslos unterwerfen. doch Lemmy Caution findet einfach keine Antwort darauf, sondern erliegt „seinem Grundirrtum, eine mächtige, alles steuernde Organisation dort erwartet zu haben, wo überpersönliche Verhältnisse walten.“ Eigentlich schade, aber dann müssen wir uns eben weiterhin mit Adornos Ermittlungen zufrieden geben... Bizarr, skurril im Stil des Film noir gedreht, ist dieser Retrofilm eine Art Hommage an Godard, aus dessen „Alphaville“ die Hauptfigur entlehnt ist.
(taz)

Lemmy Caution - Ermittlungen gegen die Wirklichkeit. Ein systemkritischer Detektivfilm. Ein Zitat ist ein Zitat ist ein Zitat. 1965 dekonstruierte Godards Lemmy-Caution-Film "Alphaville" 50erJahre-B-Pictures mit den Mitteln der Nouvelle Vague. 40 Jahre später hat Lemmy Caution einen neuen Auftrag. Er kommt nach Berlin, um "Ermittlungen gegen die Wirklichkeit" aufzunehmen - die im Übrigen auch nicht nachvollziehbarer sind als die seines Vorgängers. Diesmal werden jedoch nicht nur Genre- und Kunstkino vom Film zerpflückt, sondern gleich das grundlegende ideologische Konzept des selbstbestimmten Helden. Im Zuge seiner zugespitzten Systemkritik verwirft Regisseur Bernd Reinink Godards Ausweg, Poesie und Liebe gegen die Tyrannei der Technik siegen zu lassen. Stattdessen treibt er Caution mit den Mitteln des Brechtschen V-Effektes durch die Mechanik filmischen Erzählens und läßt ihm seinen eigenen Unterhaltungsauftrag zum Opfer fallen. Bild und Ton liegen in einem dauernden Widerstreit, das Benehmen der Figuren ist befremdlich, ihre Sprache artifiziell und die allgegenwärtigen Chandler-Metaphern sind vollkommen durchgeknallt. Am Ende steht die Erkenntnis vom handelnden Subjekt als Propagandalüge, mithilfe derer der Film die Religion als das Opium des Volkes abgelöst hat. "Lemmy Caution" ist ein konsequenter, singulärer, in wunderschönem Schwarzweiß fotografierter, "billiger Amateurfilm" (Reinink). Sperrig, überheblich, radikal anti-identifikatorisch. Ein Sandkorn, das sich furchtlos ins Getriebe der Verdummung gestürzt hat.
(tip)

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